Memory Haus

Darmstadt

Projektzeitraum
2020 – 2026

Leistungsbild
Leistungsphasen 1-9

Auftraggeber
DemenzForumDarmstadt e.V.

Tragwerk
S.A.N. Ingenieure

Haustechnik
TGA Plankontor

Bildnachweise
Fotos: planinghaus architekten

Memory Haus – Transformation einer kirchlichen Immobilie (in Progress…)

Das Memory Haus steht beispielhaft für die erfolgreiche Nachnutzung einer über fünf Jahrzehnte quartiersprägenden, am Ende aber ungenutzten Immobilien aus kirchlichem Eigentum. Das 1965 als evangelisches Jugendzentrum errichtete Max-Rieger-Heim wird in ein lebendiges Zentrum für Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige verwandelt. Mit dem Projekt begegnet das DemenzForumDarmstadt den wachsenden Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und verankert das Thema Demenz sichtbar in der Gesellschaft. Das Memory Haus bietet Raum für die Beratung Betroffener und deren Familien sowie für die Schulung von pflegenden Angehörigen und der vorwiegend im Ehrenamt tätigen Mitglieder des Vereins. Durch die Öffnung des Hauses für Konzerte, Lesungen und Nachbarschaftsangebote sollen Berührungsängste abgebaut und die soziale Teilhabe demenziell erkrankter Personen gefördert werden. Das Memory Café mit Dementhek lädt als offenes Angebot ein, auch ohne Termin mit dem Beratungsteam ins Gespräch zu kommen.

Das architektonische Konzept bewahrt respektvoll Kubatur, Gliederung und Materialität der Nachkriegsmoderne und unterstreicht mit einladender Geste den Charakter eines „offenen Hauses“.

Um das Bestandsgebäude für die neue Zielgruppe nutzbar zu machen, stehen Barrierefreiheit und Raumflexibilität im Fokus der Planung. Da das Erdgeschoss als Hochparterre angelegt ist, wurde ein als Durchlader konzipierter Aufzug nachgerüstet, welcher den schwellenlosen Zugang vom Straßenniveau zu allen drei Ebenen herstellt und die Teilhabe aller Besucher sichert. Ein ca. 100qm großer, lichtdurchfluteter Saal im Obergeschoss bildet das Zentrum für Tagesbetreuung und Veranstaltungsformate. Ergänzt durch eine Mitmach-Küche bietet er Raum für soziale Interaktion in einer großzügigen und offenen Atmosphäre. Durch den Bau eines Lichthofs werden Kellerräume zu hochwertigen und natürlich belichteten Seminar- und Beratungsräumen aufgewertet und an den begrünten Innenhof angebunden.

Für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Betrieb des Gebäudes wird die Hülle energetisch saniert und die Haustechnik umfassend modernisiert. Photovoltaik und Wärmepumpe versorgen den von der KfW als Effizienzhaus 55EE zertifizierten Umbau mit regenerativ erzeugter Energie. Durch die Weiterverwendung vorhandener Baustoffe können graue Energie genutzt und charakterstiftende Oberflächen erhalten werden. So finden die Natursteinböden im Treppenhaus ebenso wieder Verwendung wie das historische Wenge-Parkett im großen Saal. Dieses wurde behutsam ausgebaut, aufgearbeitet und nach der Installation einer Fußbodenheizung neu verlegt.

Durch das partnerschaftliche Handeln kirchlicher Institutionen und zivilgesellschaftlicher Akteure konnte mit finanzieller Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein tief in der Nachbarschaft verankerter Bestandsbau nachhaltig entwickelt und durch eine ebenso zeitgemäße wie gesellschaftsrelevante Nutzung revitalisiert werden.