Industriehof

Speyer

Projektzeitraum
2019 – 2020

Auftraggeber
Quartiersmanufaktur GmbH & Co. KG

Mehr Infos
industriehof-speyer.de

 

Kurzdokumentation und Bewertung der ehemaligen Celluloidfabrik 

Die ehemalige Celluloidfabrik Kirrmeyer & Scherer in Speyer war nach ihrer Gründung im Jahr 1897 zeitweise einer der größten Celluloidhersteller in Deutschland, bis sie 1969 endgültig die Produktion einstellte. Das Rohcelluloid wurde in Stäben, Platten oder Rohren produziert und als Halbzeug zur Weiterverarbeitung verkauft. Aus dem einfärbbaren Kunststoff wurden Spielwaren, Schmuck, Billardkugeln aber auch Filmmaterial hergestellt. Sowohl während der Herstellung als auch bei den fertigen Produkten, wie zum Beispiel bei Filmträgern, bestand erhöhte Entzündungs- und Brandgefahr. Ab den 1950er Jahren wurde Celluloid zunehmend durch neue Kunststoffe wie PET ersetzt, was schließlich zur Aufgabe der Produktion in Speyer führte.

Aufgrund der leichten Entflammbarkeit des Celluloids und der damit einhergehenden ständigen Explosionsgefahr wurden bei der Errichtung der Gebäude spezifische bauliche Maßnahmen ergriffen. So finden sich noch heute auf dem Areal viele Bauten, die entweder freistehend sind oder durch hohe Brandwände den Feuerüberschlag von einem Gebäude auf seine Umgebung verhindern sollten. Durch diese Vorkehrungen konnten die häufigen Werksbrände besser einge- dämmt werden. Nichtsdestotrotz prägte der kontinuierliche Wiederaufbau, Umbau oder Neubau von zerstörten Gebäuden die bauliche Entwicklung während der gesamten Betriebsdauer.

Seit dem Ende der Celluloidproduktion werden die Gebäude der ehemaligen Fabrik an Gewerbetreibende und Wohnnutzer vermietet. Auf dem heute als „Industriehof Speyer“ bezeichneten Gelände hat sich in der Folge der Zwischennutzungen ein vielfältiges Quartier entwickelt, in dem sich Gewerbe, Handwerk, Wohnen und halböffentliches Leben mischen und das Areal prägen.

Anlass der hier vorgelegten Kurzdokumentation aller Gebäude mit Vorschlägen zur Einordnung des Ensembles im Denkmalsinne war die geplante Unterschutzstellung der Gesamtanlage. Als Grundlage der Denkmalausweisung waren alle heute noch zugänglichen Quellen zur Werks- und Baugeschichte zu sammeln und der Status Quo der Gebäude während des Untersuchungszeit- raums zu dokumentieren. Auf der Basis dieser Informationssammlung konnte die Bedeutung der einzelnen Elemente der Denkmallandschaft eingeordnet und in den Zusammenhang einer vergleichenden Bewertung gebracht werden.

Ziel des Gutachtens war es schließlich auch, dem Eigentümer und Auftraggeber des Gutachtens, der Industriehof Speyer GmbH aus Speyer, eine belastbare Grundlage für die bauliche Entwick- lung des ehemaligen Fabrikgeländes an die Hand zu geben. Das Areal soll in den kommenden Jahren unter Wahrung seines typischen Charakters und in enger Abstimmung mit den Belangen von Denkmalschutz und Denkmalpflege zu einem urbanen Gebiet umgewandelt werden.

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